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Denn alle Lust will Ewigkeit
Lord Byron nannte ihn „Englands reichsten Sohn“, den adeligen Sonderling William Beckford. Sein Schloss Fonthill Abbey in Wiltshire wurde schon während des Baus zur Legende, eine gigantische architektonische Narretei und eine Schatzkammer, die der Fotograf P.W.Voigt zweihundert Jahre später nur noch als Fragment vorfand„Manche Leute trinken, um ihr Unglück zu vergessen. Ich trinke nicht, ich baue“, schrieb William Beckford, doch einen vergleichbar pyramidalen Rausch wie den des englischen Exzentrikers würde vermutlich kein Trinker überleben. Beckford, der von 1760 bis 1844 lebte, war ein maßloser Bauherr, ein Bibliomane, Autor und Sammler, Erbe eines ungeheuren Vermögens, das seine Familie durch Sklavenhandel und Zuckerplantagen zusammengerafft hatte. Zugleich war er ein Aussenseiter, den eine homosexuelle Affaire Ansehen und politische Karriere gekostet hatte. Sein Exil, Fonthill Abbey in der Nähe von Salisbury, war ein gigantisches neugotisches Schloss, das er dem Palast der Sinne des Kalifen Vathek nachgebildet hatte, der Hauptfigur seines gleichnamigen Schauerromans. Byron nannte das Werk seine Bibel. Es wirkte auf die schwarzen Romantiker von Poe bis Baudelaire fort und Gottfried Benn entdeckte in dem Autor „vielleicht den Vater der ganzen nicht-erlösungssüchtigen Literatur“. Beckfords märchenhafte Immobilie war zum Zeigen und nicht zum Wohnen gedacht, aber nur wenigen war vergönnt, die Säle und Galerien zu sehen, durch die der Hausherr meist alleine schritt, „erfüllt von morbider Sehnsucht nach dem Scheinglück seiner Jugend ... ertrinkend in Einsamkeit.“ Scharen von Dienern umgaben ihn, aber nur drei, vier Vertraute, denen ein Zwerg die zehn Meter hohe Eingangstür öffnete. Der Prinzregent, der den Palast besichtigen wollte, wurde nicht vorgelassen.Der Turmbau von Fonthill Abbey sollte den Gipfel von Beckfords Verachtung der Gesellschaft bilden, die ihn ausgestoßen hatte. Mit vierundachtzig Metern war er höher als die Kathedrale von Salisbury und weil der Erbauer sein Werk wie von Zauberhand wachsen sehen wollte, werkten bis zu fünfhundert Arbeiter Tag und Nacht daran. „Es ist wirklich erstaunlich,“ schrieb er über die nächtliche Baustelle, „die unzähligen Fackeln, die überall aufgestellt sind, die ungeheuren und endlosen Räume, der Schlund unter einem; über einem das gigantische Spinnennetz aus Gerüsten. Wenn ich unter den zahllosen fertigen Bögen der Galerien stehe, sehe ich riesige Eimer mit Mörtel und Wasser, heraufschweben, als kämen sie aus dem Innern einer Mine und ich bin mitten in den Rufen aus unterirdischen Tiefen, Beschwörungen aus der Hölle selbst.“ Lag es daran, dass zuviel Sand in den Mörtel gemischt wurde, oder dass der Architekt ständig betrunken war, jedenfalls brach der Turm dreimal zusammen, zuletzt 1822, nachdem Beckford sein „heiliges Grab“ schon an einen schottischen Schießpulver-Millionär verkauft hatte und nach Bath gezogen war. Dort ließ er sich auf einem der sieben umgebenden Hügel einen neuen Turm bauen; bescheidener in den Proportionen und deshalb steht er wohl auch noch – am Rand des im hohen Gras versunkenen Landsdown Friedhofs, der einmal sein Lustgarten war, von dem ein Privatweg zu seinem Stadthaus hinunterführte. Hier oben ist er auch begraben; konsequent einsam bis zum Tode hatte er sich dem Zuspruch eines Priesters verweigert. Als der Fotograf P.W.Voigt von dem gegenwärtigen Besitzer, einem englischen Millionär von beckford’scher Gemütsverfassung die Erlaubnis erhielt, Fonthill zu besuchen, fand er nur noch Teile des Ostflügels vor, ein Turmhaus, dessen Erdgeschoss bewohnt und in dessen zwei Stockwerken das Gerümpel verflossener Generationen einmagaziniert war, darunter wahre Schätze. Bücherstapel mit dem wertvollen Auktionskatalog obenauf, in dem Beckford beim Verkauf von Fonthill Abbey seine Bücher und Kunstschätze aufgelistet hatte, lagen dort vergessen und „zusammengeschimmelt“. Elsemarie Maletzke |